Kinderarztpraxis Andreas Volbracht


Hilfe, unser Baby weint so viel!

von Dr. Andreas Volbracht

Über das schwierige Einfinden der Schreibaby in die Welt.

Alle Babys dieser Welt schreien, es ist die wichtigste Mitteilungsform. Sie tun es, weil eine volle Windel stört, sie Hunger haben oder wenn andere Gründe für Unwohlsein vorliegen. Aber bei etwas jedem 10. Säugling kommt es zu exzessivem und anhaltendem Schreien. Die Ursachen hierfür, sind noch nicht abschließend geklärt.

Wann ist ein Kind ein Schreibaby?

Übermäßiges Schreien wird über die Dauer definiert: Medizinisch spricht man von einem Schreibaby, wenn Unruhe und Schreien über mehr als 3 Stunden am Tag, an mehr als 3 Tagen pro Woche und über 3 Wochen auftreten. Ein solches übermäßiges Schreien belastet die Beziehung zum Kind. Der wichtigster Trost für die Eltern ist, dass zwei von drei Babys bis zum 4. Lebensmonat mit dem Schreien aufhören. Nur ganz wenig Säuglinge leiden unter anhaltender Unruhe nach dem 6. Lebensmonat.

Was weiß man heute aus kinderärztlicher Sicht über die Gründe für anhaltendes Schreien bei Babys?

In keinem Fall ist es ein reines Problem unserer westlich-industriellen Lebensbedingungen – auch unter den Naturvölkern sind Schreibaby nicht unbekannt. In den meisten neueren wissenschaftlichen Arbeiten haben sogenannten Regulationsstörungen die Bezeichnung der Dreimonatskoliken verdrängt. Mit dem Begriff Regulationsstörung wird umschrieben, dass sich das Baby nach der Geburt noch nicht ausreichend zurecht findet in der ganz anderen Welt außerhalb des mütterlichen Bauches. Hunger, Kälte, Bauchdrücken, unbekannte Geräusche, fremde Gerüche, Hell und Dunkel sind für das reifende Gehirn des Kindes zu viele. Die Flut an Sinneseindrücken kann nicht geordnet und bewertet werden. Das Kind weint und schreit anhaltende, die beruhigenden Worte der Eltern dringen noch nicht bis zum Kind vor.

Was kann man als Eltern tun?

Zunächst einmal sollte man bedenken, dass man am Schreinen des Kindes nicht schuld ist. Eine wichtig Grundlage ist ein ruhiger, geregelter Tagesablauf. Vermeiden sie übermäßige Reize! Rasche heftige Bewegungen, laute Musik, zu intensive Gerüche irritieren ihr Kind. Wenn Sie ihr Kind schaukeln, dann ruhig und langsam. Schreibabys sind ein besondere Herausforderung, mitunter werdenden sie zur „24-Stunden-Babys“. Verteilen Sie die Belastung mit dem weinenden Säugling auf mehrere Personen und bemühen Sie sich rechtzeitig um Hilfe – damit sich keine Überforderung ergibt. Hilfsangebote können Ihnen in der Praxis aufgezeigt werden.

Hilfreiche Seiten im Internet: www.trostreich.de oder www.gaimh.de .

Unbedingt beachtet werden muss, dass Unruhe und Schreien auch Ausdruck eines gravierenden gesundheitlichen Problems sein kann. Bestehen Schwierigkeiten beim Füttern, kommt es zu Gewichtsabnahme, Durchfall, Fieber, Haltungs- und Bewegungsstörungen des Kopfes, einem harten Bauch und ähnlichem, ist unverzüglich kinderärztliche Hilfe zu suchen.