Kinderarztpraxis Andreas Volbracht


Am Anfang von Sprache steht Bindung

von Dr. Andreas Volbracht

…zwischen Eltern und Kind

Investitionen in  emotionale Sicherheit und kommunikativen Fähigkeiten  zahlen sich ein Leben lang aus.

Nicht immer ist es notwendig im Regal der Ratgeberliteratur zu stöbern. Vielen Dinge im Umgang mit dem Baby machen Mütter und Vater intuitiv richtig.  Den meisten Eltern gelingt die erst Kontaktaufnahme mit ihren Kindern gut. Auf den wiederholten offenen und freundlichen Zuspruch der Bezugspersonen reagiert der Säugling  mit anhaltendem Blickkontakt, Lächeln und den ersten Lautbildungen. Die Eltern sind glücklich, das Kind fühlt sich emotional geborgen, eine stabile Beziehung kann entstehen.

Für eine stabile, von guten Gefühlen getragene Beziehung zwischen Kind und Eltern wird in  der Medizin der Begriff sicheren Bindung verwendet. Erst ein sicher gebundenes Kind hat das Fundament für eine umfassende Entwicklung – und  bei  dieser Entwicklung nimmt die Sprache eine Schlüsselrolle ein. Es lohnt sich daher unendlich,  in den ersten drei bis vier Lebensjahren eines Kindes in emotionale Sicherheit und  kommunikativen Fähigkeiten zu investieren. Kinder mit einer sicheren emotionalen Basis lernen kreativer und schneller. Unsicher gebundene Kinder haben neben vielen anderen Dingen auch Nachteile im aktiven und passiven Spracherwerb. Die Aufgabestellung für  Eltern mit Blick auf eine sichere Bindung zum Kind ist grundsätzlich nicht sehr kompliziert. Die Zuwendung der Bezugsperson muss aber verlässlich und emotional eindeutig sein. Das Kind sollte sich als Partner in der Kommunikation erleben.

Ausschlaggebend für den Erwerb von Sprache ist der Kontakt mit sprechenden Menschen. Wir können den Spracherwerb daher nicht dem Fernseher oder dem Kassettenrecorder überlassen. Für das Erlernen von Sprache braucht ein Kind den sichtbaren Bezug zur Realität.  Wenn Sie  ihrem Kind erzählen was sie gerade tun, ist dies ein besonders wertvoller Beitrag zur Sprachfindung.  Sprechen Sie von Anfang an sehr viel mit Ihrem Kind! Singen, lesen und erzählen sie selbst. Anstatt im Auto das Radio laufen zu lassen, können Sie kommentieren, was Sie draußen sehen. Wortspiele und einfache Reime haben die gleiche Wichtigkeit wie zur Großelternzeiten. Mit der Initiative Lesestart – hierbei erhält eine Familie bei der Vorsorgeuntersuchung U6 im Alter von einem Jahr zwei kleine Bilderbücher geschenkt – wird in vielen Kinderarztpraxen genau dieses Anliegen unterstützt.

Haben Sie als Eltern Sorgen um die emotionale und sprachliche Entwicklung ihres Kindes, sollten Sie sich in jedem Fall an Ihre Kinderärztin oder ihren Kinderarzt  wenden.  Eine Hörtestung, entwicklungsneurologische Untersuchungen und gegebenenfalls spezielle Testungen zur Beurteilung der kognitiven Entwicklung werden bei Auffälligkeiten des Kindes eingeleitet. Mit Beratung und gezielter Förderung kann den meisten Kindern entscheidend geholfen werden.